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Harpstedt – Ein übertrieben hartes Vorgehen anlässlich des jüngsten „Spaziergangs“ von Impfpflichtgegnern in Harpstedt werfen Passanten der Polizei vor. Ein Ehepaar, das gar nicht zu den „Demonstranten“ gehörte, war gleichwohl wider Willen „mittendrin statt nur dabei“.

„Meine Frau und ich haben eigentlich Vertrauen in die Polizei, aber das ist seit Dienstagabend schon leicht erschüttert“, gibt Matthias Bystron offen zu. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel ist nach seiner Einschätzung nicht gewahrt worden. Die Polizei habe durch Schreien, Rasen durch die 30-km/h-Zone ohne erkennbare Notwendigkeit und unnötige Härte eher eskalationsfördernd gewirkt.

Die „Spaziergänger“ der Generation 40plus, die Matthias Bystron wahrgenommen hat, sind in seinen Augen völlig harmlos und keineswegs „radikal“ gewesen. Gleichwohl sei die Polizei mit ihnen ausgesprochen „ruppig umgegangen“. Seine Frau Katrin Müller scheut sich nicht, das Auftreten der Staatsbürger in Uniform noch sehr viel drastischer zu beschreiben. Obwohl die „Spaziergänger“ weder Transparente ausgerollt noch Parolen von sich gegeben hätten, seien sie fast „wie Schweine durchs Dorf getrieben worden“.

 

Das Paar aus Harpstedt fand sich nach eigener Aussage völlig überraschend mitten im Geschehen wieder. „Wir wollten nur zu unserem Auto“, erinnern sich die 60- und der 54-Jährige. Auf der Langen Straße seien sie von einem Beamten, der sich erst auf Nachfrage als „selbst erklärter Einsatzleiter“ zu erkennen gegeben habe, in einem ausgesprochen harschen Umgangston belehrt worden. „Ich kam mir vor, als wäre ich irgendwo eingebrochen und nun deswegen gestellt worden“, erzählt Katrin Müller.

 

Grundsätzlich habe die Polizei natürlich das Recht zur Personenüberprüfung, räumt ihr Mann ein. Er erwarte aber gleichwohl, dass sich ein Beamter, der ihn anhalte, in sachlichem Ton kurz vorstelle und deutlich mache, warum er einschreite. Er erwarte indes nicht, angeschrien zu werden, wie am Dienstag geschehen. Auf seine Bitte hin, „die Maßnahme“ zu erklären, habe der Beamte erwidert, „die Maßnahme wäre, dass wir eine politische Gruppe seien“. Darauf habe er, Bystron, erwidert: „Das ist keine Maßnahme. Erklären Sie mir doch jetzt bitte, warum Sie mich anhalten! Ich bin bereit, mich auszuweisen, aber mit der Art und Weise, wie Sie mit mir umgehen, nicht einverstanden. Wir können das auch gern mit Ihrem Dienststellenleiter in Wildeshausen im Gespräch klären.“ Letzteres habe der Beamte nicht gewollt.

 

Er habe danach einen „Ortsverweis“ (gemeint war offenkundig ein Platzverweis) erteilen wollen. „Das können Sie nicht, da ich hier ortsansässig bin“, will Bystron erwidert haben. Im weiteren Verlauf des Gesprächs sei der Polizist freundlicher geworden, habe nun nicht mehr geschrien, sondern sachlich erläutert, er handele nach dem Infektionsschutzgesetz.

„Warum rennen die denn?“

Auf der anderen Straßenseite sei derweil die Lage eskaliert. Nicht nur zwei, sondern sogar drei Beamte, darunter eine Polizistin, seien auf einen Mann zugerannt, der vielleicht zwischen 60 und 70 Kilogramm wiege und „wie eine Schaufensterpuppe auf den Boden geschmissen“ worden sei, entsinnt sich Katrin Müller. Sie habe sich noch gefragt: „Warum rennen die denn?“

Der „Spaziergänger“, dem nach der Wahrnehmung von Matthias Bystron Angst ins Gesicht geschrieben stand, habe sich umgedreht, sei aber nicht weggelaufen. In diesem Punkt widersprechen sich die Darstellungen: Die Polizei hatte auf Nachfrage unserer Zeitung berichtet, der Mann habe versucht, sich der Identitätsfeststellung zu entziehen. „Das Gesagte zwischen ihm und den Beamten haben wir nicht mitbekommen“, gibt Bystron zu.

Gerast „wie die Geisteskranken“

Seine Frau will sich nach dem Vorfall mit deutlichen Worten bei dem „selbst erklärten Einsatzleiter“ beschwert haben: „Haben Sie das gesehen? Schämen Sie sich gar nicht? Ich bin eine gebürtige Bremerin. Mein Onkel war dort Hafensenator. 15 Jahre. Wir haben einen Libanesenclan in Bremen. Wenn Sie den so verfolgen würden, mit sieben Polizeiautos und 16 Beamten, hätte ich den tiefsten Respekt vor Ihnen.“

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Auch das sonstige Auftreten der Ordnungsmacht hält das Ehepaar für überzogen. „Wie die Geisteskranken“ seien die Beamten mit sieben Wagen „voll Speed“ durch Harpstedt gerauscht, entsinnt sich Katrin Müller.

Die „Spaziergänger“ seien angeschrien worden, schildert ihr Mann. Einen respektvollen Umgang des Staatsbürgers in Uniform mit Mitbürgern stellt er sich anders vor. „Ich möchte mich sicher fühlen, wenn ich abends durch den Ort laufe, und mich nicht wie ein Schwerverbrecher anschreien lassen.“

Den „Spaziergängern“ könne er indes nur raten: „Meldet die Demo an, setzt euch eine Maske auf! Und haltet die Abstände ein!“

• Zu den Vorwürfen von Zeugen, wonach die Polizei während des „Spaziergangs“ von Impfpflichtgegnern am Dienstagabend in Harpstedt unverhältnismäßig hart und sogar eskalationsfördernd eingeschritten sein soll, schweigt die Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch nun wider Erwarten doch. Am Donnerstagnachmittag hatte sie unserer Zeitung eine Stellungnahme für den Freitag angekündigt. Tags darauf kam seitens der Pressesprecherin prompt der „Rückzieher“. Begründet wird der überraschende Verzicht auf eine Stellungnahme mit „laufenden Ordnungswidrigkeitenverfahren in Verbindung mit dem Versammlungsgeschehen“.

 

Andre

Von Andre

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