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Kriminalstatistik für Bremen-Nord Mehr Einbrüche, weniger Überfälle

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Im Norden ist die Zahl der Einbrüche gestiegen, während sie im Rest der Stadt gesunken ist. Auch hatte die Polizei mit einer Gruppe zu tun, die andernorts weniger Probleme machte – mit jugendlichen Tätern.

Die Herren der Zahlen sind diesmal zu dritt. Meistens sagen Michael Steines und Ralf Töllner, welche Straftaten im Bremer Norden mehr und welche weniger werden. Doch für die Kriminalstatistik 2019 haben der Abteilungsleiter Nord-West und der Chef des Vegesacker Kommissariats einen Experten dazugeholt. Dass Mattis Roelle an diesem Morgen neben ihnen sitzt, hat mit der Abteilung zu tun, für die er arbeitet. Der Mann beschäftigt sich mit Jugendkriminalität – und mit jugendlichen Straftätern hatte die Polizei im Vorjahr mehr zu tun, als ihr lieb war.

Im Grunde haben Minderjährige mit ihren Beutezügen dafür gesorgt, dass die Bilanz der Polizei am Ende nicht so ausgefallen ist, wie sie hätte ausfallen können. Polizeileiter Steines weiß nach eigenem Bekunden nicht, wie viele Taten den Jugendlichen  nachgewiesen werden konnten. Er geht aber fest davon aus, dass sie bei mehreren Delikten die Fallzahlen gesteigert haben. Monatelang hat die Gruppe, zu der er zwei 15-Jährige und einen 17-Jährigen zählt, die Polizei beschäftigt. Jetzt macht sie das nicht mehr. Über die Gründe kann Steines nur spekulieren. Der Nord-West-Chef sagt, dass die Jugendlichen mehrmals in Untersuchungshaft waren und es Fallkonferenzen gab, bei denen Auflagen für sie angeordnet wurden.

Mehr Fälle in Vegesack

Laut Roelle hat die Gruppe nicht bloß immer wieder neue Mitläufer gefunden, sondern sich auch immer wieder an neuen Straftaten ausprobiert. Der Mann von der Abteilung für Jugendkriminalität spricht von einem Hochschaukeln. Erst schmissen die Minderjährigen  Gullydeckel in Schaufenster von Fahrradläden, um E-Bikes zu stehlen. Dann stiegen sie in Keller ein, wo sie ebenfalls Elektroräder mitnahmen. Später brachen sie auch in Häuser ein. Macht unterm Strich drei Deliktsbereiche – und bei allen verzeichnet die Polizei ein Plus an Fällen im Vergleich zum Vorjahr. Bei den Diebstählen aus Geschäftsräumen stieg ihre Zahl von 102 auf 106 und aus Kellerräumen von 81 auf 173. Beim Wohnungseinbruch ging es von 280 auf 342 nach oben.

Mehr Einbrüche wurden vor allem in Vegesack registriert. Anders als in Blumenthal und Burglesum, wo die Zahl nach Steines‘ Worten nur leicht gestiegen ist, fiel das Plus im mittleren der drei Nordbremer Stadtteile deutlich größer aus: Statt 87 wie ein Jahr zuvor, wurden 130 Taten gemeldet. So viele, dass die Polizei ein Schwerpunktteam bildete. Warum in Vegesack öfter in Wohnungen eingebrochen wurde als in Blumenthal und Burglesum, kann der Polizeileiter nicht mit letzter Gewissheit sagen. Genauso wenig, weshalb die Zahl im Norden nach oben ging, während sie im übrigen Stadtgebiet sank – wenn auch nur geringfügig: von 1618 auf 1582. Steines sagt, dass die Befunde des Schwerpunktteams noch ausgewertet werden.

Einbrecher öfter im Norden auf Beutezug

Der Abteilungsleiter Nord-West kann deshalb nur vermuten, warum Einbrecher öfter im Norden auf Beutezug waren – und am häufigsten in Vegesack. Er spricht von Jahren, in denen es mal andersherum war. Und davon, dass sich Täter manchmal andere Tatorte aussuchen, wenn Kommissariate auf Schwerpunktteams setzen und Bürger auf Prävention in den eigenen vier Wänden. Ihm zufolge sind auch Vegesacker Wohnungen in der Regel geschützt. Und zwar so gut, dass es nach seinen Zahlen in knapp 42 Prozent der Fälle beim Einbruchsversuch geblieben ist. Für den Polizeileiter ist es wichtig, das herauszustellen. Auch ein Versuch wird in der Statistik nämlich wie ein Einbruch behandelt.

Es gibt noch andere Ziffern, die Steines hervorhebt. Für ihn sind es gute Ziffern, weil sie kleiner statt größer geworden sind. Zum Beispiel die Zahl der Raubüberfälle auf Straßen – sie sank von 37 auf 32. Zum Beispiel die der Fahrraddiebstähle – hier ging es von 620 auf 466 herunter. Zum Beispiel die der schweren Diebstähle aus Autos – sie fiel von 214 auf 194. Auch die Zahl der Sachbeschädigungen ist nicht mehr so hoch wie zuvor. Nach Steines Diagrammen gab es im Vorjahr 56 Fälle weniger als im Jahr davor: nicht mehr 589 Anzeigen, sondern 533. Es ist der niedrigste Wert, den die Statistik innerhalb der vergangenen fünf Jahre ausweist. Genauso wie bei den Diebstählen aus Autos und von Rädern.

Im Fünf-Jahres-Vergleich relativiert sich für Steines auch so manches Plus im Vorjahresverhältnis: Zwar gab es 2019 mehr Taschendiebstähle als 2018 – 102 statt 77. Doch ist der Wert der zweitniedrigste seit 2015. Und bei den Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz ist er nach seiner Rechnung zwar nicht mehr der zweitkleinste, aber immer noch der drittniedrigste: 197 Fälle. Dass er höher ist als in den beiden Vorjahren, begründet Steines mit der Polizeiarbeit, die ausgeweitet wurde. Ihm zufolge haben die Beamten mehr Menschen kontrolliert und somit auch mehr Rauschgift gefunden als 2015, 2016 und 2017.

Alles zusammengerechnet kommt der Polizeileiter auf 6632 Straftaten im Vorjahr. Und damit auf 50 mehr als 2018. Aus seiner Sicht ist das nichts. Er spricht von einer Stagnation und davon, dass die Statistik unauffällig ist – mit Ausnahme der Jugendstraftaten und Wohnungseinbrüche.

Zur Sache

Die Zahlen für die Stadtteile

Bei der Vorstellung der Kriminalstatistik haben Beamte immer genau ermittelt, wie viele Straftaten in den einzelnen Stadtteilen registriert wurden. Nach Angaben der Polizei dauert die Auswertung in diesem Jahr allerdings noch an. Die Daten sollen vorliegen, wenn die Statistik den Beiratsfraktionen vorgestellt wird. Wann das passieren soll, ist unklar. Wegen der Corona-Krise sind sämtliche Sitzungen der Stadtteilparlamente bisher abgesagt worden.

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Die Zahlen aus den Stadtteilen

Bei der Vorstellung der Kriminalstatistik haben Beamte immer genau ermittelt, wie viele Straftaten in den einzelnen Stadtteilen registriert wurden. Nach Angaben der Polizei dauert die Auswertung in diesem Jahr noch an. Die Daten sollen vorliegen, wenn die Statistik den Beiratsfraktionen vorgestellt wird. Wann das der Fall sein wird, ist unklar. Wegen der Corona-Krise sind Sitzungen der Stadtteilparlamente bisher abgesagt worden.

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