Denkort Bunker Valentin: NS-Gedenkstätte in Bremen-Farge begeht fünfjähriges Jubiläum

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Von Olliku – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19202173

Am 8. November 2015 wurde die Bremer NS-Gedenkstätte „Denkort Bunker Valentin“ als europäischer Erinnerungsort im Beisein von mehr als 400 Gästen aus dem In- und Ausland sowie zahlreichen Vertreterinnen und Vertreter der Politik feierlich eröffnet.

Das im Bunker befindliche Informationszentrum mit seiner Ausstellung, das neu gestaltete Außengelände sowie die pädagogischen Angebote des Seminarzentrums fanden in den zurückliegenden Jahren regen Zuspruch.

Mehr als 135.000 Besucherinnen und Besucher wurden insgesamt verzeichnet. Die Anzahl der Führungen betrug 1.408. Davon wurden mehr als 60 fremdsprachige Führungen für Gäste aus dem Ausland angeboten. Zudem wurden 347 Projekttage und 58 Bildungsurlaube in Kooperation mit regionalen Bildungsträgern durchgeführt. Neben zahlreichen Gedenkveranstaltungen fanden 14 unterschiedliche Kultur- und Kunstveranstaltungen am Denkort Bunker Valentin statt.

Um der erhöhten Besuchsnachfrage gerecht zu werden, wird die Landeszentrale für politische Bildung Bremen, als Trägerin der Einrichtung, ab Januar 2021 die pädagogische Arbeit am Denkort weiter verstärken.

„Es ist eine Herausforderung gerade in Zeiten großer Verunsicherung die Erinnerung an Krieg und Gewalt, an rassistisch und ideologisch motivierte Verbrechen und an Inhumanität lebendig zu halten und dem Bedürfnis vieler Menschen nach Einordnung, Austausch und verstärkter Kommunikation gerecht zu werden.“, betont Dr. Thomas Köcher, als Leiter der Einrichtung. Und weiter: „Der Denkort hat sich in den zurückliegenden Jahren als authentischer Lernort etabliert und ist im Bewusstsein der Stadt angekommen. Er ist kein vermeintlicher „Lost Place“, sondern ein Ort lebendiger Auseinandersetzung über Vergangenheit und Gegenwart geworden. Über die stetig wachsende Resonanz freuen wir uns sehr.“

Hiervon zeugen auch die kontinuierlich stattfindenden Kultur- und Kunstveranstaltungen, die auf großes Interesse stoßen. Am Denkort fanden in den vergangenen Jahren viele Konzerte, Installationen und Ausstellungen statt, die sich sowohl der unbequemen Geschichte des Bunkers widmen als auch aktuelle politische Fragen in den Fokus stellen.

Neben persönlichen Geländeführungen nach Anmeldung besteht für Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, einen Medien-Guide zu entleihen, der eine Hörführung enthält. Seit 2018 wurde die Führung für Erwachsene um ein Modul für Kinder erweitert. Das besondere hierbei: die Inhalte wurden von Grundschulkindern im Rahmen eines Projektes selbst entwickelt und eingesprochen. Für 2021 ist nun geplant, das gesamte Angebot auch als App für Smartphones zur Verfügung zu stellen.

Weitere Informationen zu den Angeboten: www.denkort-bunker-valentin.de.

Historischer Rückblick

Der Bunker „Valentin“ ist die Ruine einer U-Boot-Werft der deutschen Kriegsmarine aus dem Zweiten Weltkrieg. Mit einer Grundfläche von über 35.000 Quadratmetern ist er der größte freistehende Bunker in Deutschland. In den Jahren 1943 bis 1945 wurden hier Tausende von Zwangsarbeiter aus ganz Europa eingesetzt. Mehr als 1100 von ihnen starben während der Bauarbeiten an Unterernährung, Krankheiten und willkürlichen Tötungen.

Über Jahrzehnte wurde um die Nachkriegsnutzung der durch Zwangsarbeit entstandenen U-Boot-Werft gerungen. In den 1960er Jahren nutzte die Bundesmarine Teile des Gebäudes als Materialdepot. Nach dem Auszug der Marine hat der Senat der Freien Hansestadt Bremen im Jahr 2010 die Landeszentrale für politische Bildung mit dem Aufbau und dem Betrieb des Denkorts als Ort historischer Wissensvermittlung, als Gedenkstätte und als Lernort beauftragt.

Der Denkort Bunker Valentin wurde zu gleichen Teilen vom Land Bremen und aus Mitteln der Gedenkstättenförderung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert. Die strukturelle Entwicklung am Denkort Bunker Valentin wurde durch das Bremer Wirtschaftsressort sowie aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) der Europäischen Union finanziert.