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Castor-Transport über Bremen? Das planen Atomkraftgegner

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Seit Dienstagabend ist ein Spezialschiff mit Atommüll aus der Wiederaufbereitungsanlage im englischen Sellafield auf dem Weg nach Deutschland. Wann und wo die Fracht genau ankommt, ist offiziell nicht bestätigt. Das bundesweite Protestbündnis „Castor stoppen“ geht jedoch davon aus, dass der Transport ins hessische Zwischenlager Biblis vom niedersächsischen Nordenham aus auch über Bremen führen könnte. Die Atomkraftgegner bereiten sich auf eine Mahnwache und Proteste vor.

Umweltschützer halten den Transport des strahlenden Materials für gefährlich und kritisieren vor allem den Zeitpunkt. Das tun auch die Polizeigewerkschaft GdP und Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). „Atommüll von einem ungeeigneten Ort an einen anderen ungeeigneten Ort zu verschieben, ist unabhängig von erklärten Pandemielagen nicht nur unnötig, sondern falsch“, sagte die Sprecherin des Bündnisses „Castor stoppen“, Silke Westphal. Es ist das erste Mal seit 2011, dass wieder hochradioaktive Brennelemente aus Sellafield nach Deutschland zurückgeführt werden. In den nächsten vier Jahren sollen insgesamt noch 25 Castoren nach Deutschland gebracht werden.

Was ist über den Transport bekannt?
Das Spezialschiff „Pacific Grebe“ hat am Dienstagabend den englischen Hafen Barrow-in-Furness mit seiner radioaktiven Ladung in Richtung Deutschland verlassen. Das teilte die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) mit, die den Castor-Transport durchführt. Demnach befinden sich an Bord sechs Behälter mit radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufbereitung deutscher Brennelemente im englischen Sellafield. Als Ziel wird ein deutscher Seehafen angegeben, wo die Castoren für den Weitertransport in das bundeseigene Zwischenlager Biblis auf Eisenbahnwagons umgeladen werden. Nach Angaben des Aktionsbündnisses „Castor stoppen“ soll es sich bei diesem Hafen um Nordenham handeln. Die Ankunft erwarten die Aktivisten für Freitag oder Samstag, eine mögliche Route für den Weitertransport könnte über Bremen führen. Die Atomkraftgegner haben den Eigentümer des Transportschiffes unterdessen angezeigt, weil der mit sechs Castor-Behältern beladene Frachter „Pacific Grebe“ noch vor der Abfahrt aus dem englischen Hafen Barrow-in-Furness das Positionserkennungssystem AIS abgeschaltet habe. Das Schiff sei damit vom öffentlichen Radar verschwunden. Das bedeute einen Verstoß gegen das internationale Seerecht.
Was planen Atomkraftgegner in Bremen?
Das bundesweite Protestbündnis „Castor stoppen“ plant in Bremen eine Mahnwache. Die Aktion soll am Sonntag am Hauptbahnhof stattfinden. Beginn ist um 11 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz. Aktuelle Informationen sollen über einen Online-Ticker des Protestbündnisses kommuniziert werden. Die Organisatoren rufen Teilnehmer dazu auf, Fahrräder mitzubringen, um sich gegebenenfalls an einen anderem Ort bewegen zu können. Außerdem soll es ab 16 Uhr eine Informationsstelle in der St.-Pauli-Straße im Bremer Viertel geben. Laut der Initiative „Bloc Castor“ bereiten sich außerdem Anti-Atom-Initiativen mit bundesweiter Unterstützung darauf vor, den Zug auf bremischem oder oldenburgischem Gebiet zu stoppen.
Welchen Einfluss hat Corona?
Ursprünglich war der Castor-Transport für Anfang April geplant, wurde jedoch durch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) abgesagt. Der Einsatz von 6.000 zum Schutz des Transportes eingesetzten Bundespolizisten sei wegen der Ausbreitung des Corona-Virus nicht zu verantworten, hatte Seehofer damals erklärt. Nun bestätigt ein Sprecher seines Ministeriums, dass der Nuklear-Transport stattfindet. Die Gewerkschaft der Polizei und Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hatten allerdings bemängelt, dass der Transport während der sich wieder verschärfenden Corona-Pandemie stattfinden soll. Die beteiligten Unternehmen und Institutionen haben laut GNS umfassende Vorsorgekonzepte und Hygieneregeln für alle Phasen des Transports erarbeitet. Die Gesundheit aller Beteiligten und der Bevölkerung entlang der Transportstrecke hätten auch weiterhin höchste Priorität. Das Konzept der Bundespolizei sieht unter anderem vor, dass Beamte vor ihrem Einsatz auf Corona getestet werden, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit. Neben den allgemein gültigen Abstands- und Hygieneregeln solle die Bundespolizei außerdem Kohorten bilden. Die Unterbringung erfolge anders als sonst üblich nur in Einzelzimmern.

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