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Brief an Wirtschaftssenatorin Vogt Hellweg-Centrum droht erneut Insolvenz

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Das Hellweg-Centrum hofft auf ein Wunder von der Weser: Wenn es keine Hilfe gebe, bleibe nur das Aus für den Betrieb. Erneut befindet sich der Bremer Fachmarkt in Schieflage.

Im vergangenen Herbst gab es Hoffnung für das Hellweg-Centrum. Geschäftsführer Johannes von der Linde konnte den Betrieb vor dem Aus retten. Im September sollte der neue Onlineshop starten. Doch jetzt steckt der Bremer Fachmarkt erneut in großen Schwierigkeiten. Wenn es keine Unterstützung gibt, sieht sich von der Linde gezwungen, Insolvenz anzumelden. „Wir brauchen das Wunder von der Weser!“, heißt es in einem Brief an Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). Die meisten Kunden verließen den Laden in der Stresemannstraße wieder, weil die Regale leer seien. „Wir bluten aus, wir können keine Ware mehr beschaffen.“ Es ist ein Hilferuf aus Hastedt.

Bisher hat es Hilfe nicht gegeben. Und das liegt laut Johannes von der Linde am Neuanfang. Im Juli 2019 reichte der Groß- und Einzelhändler beim Amtsgericht den Insolvenzantrag ein. Im Herbst gab es dann den Befreiungsschlag mit der Neugründung: Johannes von der Linde führt den Betrieb seither als Hellweg-Centrum Bremen weiter. Weil das Unternehmen deshalb aber recht jung ist, kann es dem Geschäftsführer zufolge heute auf kaum ein Sonderprogramm zurückgreifen, um durch die Krise zu kommen.

Kreditantrag auf die Schnelle abgelehnt

Geld sei dringend nötig: Weil die Ware fehlt, bleibt der Umsatz aus, von dem sonst wieder neue Ware gekauft wird. „Es ist ein Teufelskreis“, sagt von der Linde. Seit der Insolvenz musste das Unternehmen Lieferanten in der Regel per Vorkasse bezahlen. Nun sind erneut Außenstände entstanden – ein Rückschlag. Anfragen bei Banken seien auch wegen der Risiken abgelehnt worden. Der Weg zur Bremer Aufbau-Bank (BAB) sei ebenfalls vergebens gewesen. Was Johannes von der Linde in diesem Fall aber aufregt: Der Kreditantrag sei hier in nur zwei Stunden abgelehnt worden. Die Förderbank habe in der Zeit doch den Businessplan gar nicht lesen können. Wie solle er das seinen 39 Mitarbeitern erklären?

Wirtschaftsressort und BAB geben eine Erklärung für die Geschwindigkeit. Seit Langem gebe es Kontakt zum Unternehmen. „Aus diesem Grunde konnte das Anliegen mit dem zugesandten Businessplan von der BAB sehr schnell beantwortet werden“, teilt Ressortsprecher Kai Stührenberg mit. Natürlich gebe es ein hohes Interesse, die Arbeitsplätze zu erhalten. Wie bei jedem Unternehmen prüfe man alle Optionen und Programme auf Eignung und suche auch alternative Lösungen. Allerdings sei man bei den Bundesprogrammen – Soforthilfen oder Kfw-Darlehen – an Kriterien gebunden. „Darauf haben wir keinen Einfluss“, so Stührenberg. Daneben gebe es bei der BAB selbst viele Instrumente: „Das Land geht bei Darlehen und Beteiligungen durchaus ins Risiko.“ Voraussetzung sei aber, dass es für das Unternehmen eine grundsätzlich positive Geschäftsprognose gebe. Schließlich gehe es um Steuergelder, mit denen sorgsam umgegangen werden müsse.

Die Pandemie aber hat beim Hellweg-Centrum Spuren hinterlassen. Der Neustart verlief zunächst gut. „Dann kam Corona dazwischen“, sagt von der Linde. Soforthilfen konnten die Einbußen nicht ausgleichen: Friseure und Gastronomen blieben weg, Bürobedarf war nicht gefragt. Im Moment ist im Netz wie im Laden kein normaler Betrieb. Unter den Rubriken finden Kunden keine Aktenordner oder Hammer mehr.

Am Donnerstag hat es ein erstes Gespräch ­zwischen Unternehmen, Wirtschaftsressort und BAB gegeben. „Wir lassen nichts unversucht, um die Arbeitsplätze zu retten“, sagte Kai Stührenberg im Vorfeld. Es müsse aber eine realistische Perspektive geben.

„Wir kämpfen nicht nur für uns“, betont Johannes von der Linde. Er kenne weitere Unternehmer, die auch auf Hilfe warteten. Der Geschäftsführer hatte gehofft, dass die Hilfe für Start-ups eine Lösung sein könne. Doch die werde in Bremen noch nicht ausgezahlt. Ab Sep­tember soll es nach Angaben der BAB soweit sein.

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