Aktuelle Nachrichten aus Bremen , Bremerhaven und umzu.

Der Streik der Mitarbeiter im Öffentlichen Personen Nahvekehr ist erst einmal vorbei .Nun warten wir darauf das der Arbeitgeberverband auf die Proteste reagiert !! Längere Streiks können in Kürze nicht ausgeschlosssen werden ....

  • Mi. Okt 21st, 2020

ER STARB IM ALTER VON 84 JAHREN Ehemaliger Arbeitsminister Norbert Blüm gestorben

Avatar

VonCharly

Apr 24, 2020

Von Bundesarchiv, B 145 Bild-F073616-0021 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5471335

Der frühere Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm ist tot.
Der CDU-Politiker starb im Alter von 84 Jahren, sagte sein Sohn der Deutschen Presse-Agentur. Weitere Angaben machte die Familie zunächst nicht.
Seit 2019 war Blüm infolge einer Blutvergiftung an Armen und Beinen gelähmt und saß im Rollstuhl.
Am 12. März schrieb Blüm in einem Gastbeitrag für die „Zeit“ über seine Lähmung: „Ich fühle mich wie eine Marionette, der sie die Fäden gezogen haben, sodass ihre Teile zusammenhangslos in der Luft baumeln.“

Blüm diktierte seiner Frau den Text. „Aus Bagatellen werden Problemfälle. Mich reizt gerade unter dem linken Auge ein Jucken. Früher hätte ich mit einem Handstrich den Juckreiz beseitigt. Heute kann meine Hand das nicht. Und so muss ich geduldig ausharren, bis der Reiz aufgibt.“
Er galt in der schwarz-gelben Koalition je nach politischem Standort als „soziales Gewissen“ oder „soziales Feigenblatt“. Seine nachhaltigste Leistung war die Einführung der Pflegeversicherung 1995.
Als Helmut Kohl 1982 Bundeskanzler wurde, berief er seinen Weggefährten Blüm als Arbeits- und Sozialminister in sein Kabinett. Von da an konnte Blüm 16 Jahre im Maschinenraum des Sozialstaats ziemlich eigenständig schalten und walten, denn als Repräsentant des CDU-Arbeitnehmerflügels war er einer der Pfeiler des Kohl’schen Machtsystems.
Sein Verhältnis zu Kohl bekam schon 1989 tiefe Risse, als er gemeinsam mit Rita Süssmuth und dem ehemaligen Generalsekretär Heiner Geißler versuchte, den zu diesem Zeitpunkt höchst unpopulären CDU-Chef zu stürzen.
Stattdessen wollten sie dem beliebten baden-württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth zur Macht verhelfen. Der schreckte aber davor zurück, seinen Hut in den Ring zu werfen. Dann fiel die Mauer, und der bis dato als „Birne“ verspottete Kohl mutierte zum „Kanzler der Einheit“.
Der vollständige Bruch kam 1999/2000 im Zuge der CDU-Spendenaffäre, als Blüm seinen einstigen Förderer mit deutlichen – vielleicht überdeutlichen – Worten kritisierte. Von da an wechselten die beiden kein Wort mehr miteinander.

Die Rente ist sicher

Mit seinem Namen verbunden bleibt die 1995 gegen erhebliche Widerstände eingeführte Pflegeversicherung. 1986 plakatierte er sein späteres Mantra, ursprünglich nicht „Die Rente ist sicher“, sondern „Denn eins ist sicher: Die Rente“. Helmut Schmidt habe das vor ihm übrigens auch schon so gesagt, erwähnte er hin und wieder.
Der verkürzte Satz „Die Rente ist sicher“ wurde geradezu zum Sprichwort.

Wegbegleiter: wichtigster Sozialminister Deutschlands

Der Tod von Norbert Blüm sorgt auch bei seinen politischen Wegbegleitern für Trauer.
Die früheren Bundesminister Volker Rühe (CDU) und Otto Schily (SPD) würdigten Norbert Blüm gegenüber BILD als den bedeutendsten Arbeits- und Sozialminister der Bundesrepublik Deutschland.
Der frühere CDU-Generalsekretär und Bundesverteidigungsminister Volker Rühe zeigte sich gegenüber tief bewegt: „Ich war schon sehr traurig, als ich vor Wochen von Norbert Blüms Lähmung erfahren habe, umso mehr trauere ich jetzt. Er war ein langjähriger und wirklich bedeutender Lebens- und Politikgefährte von mir. Norbert Blüm ist der bedeutendste Arbeits- und Sozialminister in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Ich werde ihn sehr vermissen.“
Otto Schily, früherer Bundesinnenminister, sagte BILD: „Norbert Blüm war ohne Zweifel einer der, wenn nicht der profilierteste Sozialpolitiker Deutschlands. Einer, der auch bei seinen politischen Gegnern hohes Ansehen genossen hat, nicht zuletzt durch seine humorvolle Argumentationseigenschaft. Norbert Blüm war geprägt durch seine christliche Grundüberzeugung. Er hatte ein authentisches christliches Fundament, das war keine Folie bei ihm. Verneigen wir uns vor diesem großen Politiker und großartigen Menschen. Ich wünsche ihm auf seiner neuen Reise viel Glück.“

Norbert Blüm – sein Leben

Der Arbeitersohn aus Rüsselsheim (geb. 21.07.1935) war gelernter Werkzeugmacher. Er holte das Abitur am Abendgymnasium nach, studierte Philosophie, Geschichte und Theologie.
Sein politischer Ziehvater, der CDU-Sozialpolitiker Hans Katzer (1919–1996), machte das engagierte IG-Metall-Mitglied 1968 zum Hauptgeschäftsführer der CDU-Sozialausschüsse. Von 1977 an stand Blüm für zehn Jahre an der Spitze der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA).
Nach seinem Ausscheiden aus der Bundespolitik engagierte sich Blüm weiterhin sozial, schrieb Bücher, trat als Talkshowgast im Fernsehen auf und machte sogar Kabarett.
Blüm war seit 1964 mit Marita Blüm verheiratet, die er während des Studiums kennengelernt hatte. Das Paar bekam drei Kinder: zwei Töchter und Sohn Christian, der Mitglied der Kölschrock-Band Brings ist.
Am Ende seines Lebens wurde die Familie noch wichtiger für ihn: Nach einer Blutvergiftung war er seit 2019 an Armen und Beinen gelähmt und saß im Rollstuhl. Die Lähmung machte er erst vor einigen Wochen publik. „Wie ein Dieb in der Nacht brach das Unheil in Gestalt einer heimtückischen Blutvergiftung in mein Leben ein“, diktierte er seiner Frau für einen Beitrag in der „Zeit“. Schon ein kleiner Juckreiz unter dem Auge könne jetzt für ihn zum Problem werden, weil er sich nicht mehr kratzen könne.
„Im Horizont des Rollstuhls fällt der Rückblick anders aus als in der herkömmlichen Panoramasicht“, stellte er fest. „Was war wichtig, was bedeutungslos? Der Standpunkt wechselt mit dem Standort.“ Er war jetzt ganz auf sich selbst zurückgeworfen, ohne den Resonanzboden der Öffentlichkeit. „Die Krankheit zerstört unsere Allmachtsfantasien und dämpft unsere versteckten Überheblichkeiten. Alle Prestige-Vehikel, Orden und Ehrenzeichen verlieren ihre Bedeutung.“
Seinen Lebensmut büßte Blüm auch durch diesen Schicksalsschlag nicht ein. Eigentlich genieße er einen privilegierten Status, sagte er: „Ich lebe wie Gott in Frankreich.“ Rund um die Uhr werde er bedient, einmal mehr sei die Familie sein Zufluchtsort.
Sterben wollte er wie sein Vater. Dessen letzter Satz war gewesen: „Es war alles sehr schön.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.