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Großdemonstration für 17. Januar geplant Trecker-Karawane rollt nach Bremen

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Tausende Landwirte aus ganz Norddeutschland werden am 17. Januar zu einer Großdemonstration in der Bremer Innenstadt erwartet. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 4000 Treckern auf den Straßen.

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Ben_Kerckx (CC0), Pixabay

Der bundesweite Bauernprotest schwappt nach Bremen. Am Freitag kommender Woche wird auf den Straßen im Innenstadtbereich der Trecker das dominierende Verkehrsmittel sein. Bis zu 4000 Traktoren aus dem Nordwesten werden am Vormittag Richtung Zentrum rollen, wo das Agrarbündnis „Land schafft Verbindung“ eine Großkundgebung plant. Auf dem Domshof wollen die Landwirte unter anderem ein Positionspapier an Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne) übergeben.
Die Logistik der Veranstaltung wird derzeit noch mit den Behörden abgestimmt. Für die Trecker soll es Abstellflächen unter anderem auf der Bürgerweide geben, möglicherweise auch am Weserstadion. Man sei in guten, fortgeschrittenen Gesprächen mit den zuständigen Stellen, sagt Jan Geerken vom Organisationsteam. Der Landwirt aus dem Blockland gehört zu den örtlichen Aktivisten des losen Bündnisses bäuerlicher Basisgruppen, die sich im vergangenen Jahr abseits des Deutschen Bauernverbandes und anderer klassischer Interessenvertretungen gegründet haben. Was die Akteure von „Land schafft Verbindung“ eint, ist ihr Protest gegen das von der Bundesregierung geschnürte Agrarpaket, das unter anderem zahlreiche Auflagen zum Insektenschutz und eine Kennzeichnung von Produkten unter dem Tierwohlaspekt vorsieht. Die Bauern kritisieren unter anderem, dass es im Vorfeld keinen ausreichenden Dialog mit den Erzeugern landwirtschaftlicher Produkte gegeben habe. Unter dem Dach von „Land schafft Verbindung“ haben sich nach Geerkens Darstellung sowohl konventionell als auch ökologisch orientierte Landwirte mit Höfen jeder Größenordnung zusammengefunden.
In verschiedenen deutschen Städten hat es in den vergangenen Monaten bereits Kundgebungen gegeben, die allein durch die teils kilometerlangen Karawanen landwirtschaftlicher Fahrzeuge für großes Aufsehen und mediales Interesse sorgten. „Die Rückmeldungen von den Städtern waren dabei durchweg positiv, auch weil wir immer alles ordentlich hinterlassen, was ja bei Demonstrationen nicht selbstverständlich ist“, sagt Geerken. Er hoffe deshalb auch auf das Verständnis der Verkehrsteilnehmer in Bremen, wenn es am 17. Januar auf den Straßen eng wird.
Geerken hat seinen Hof im Blockland bis ins letzte Jahr als Milchviehbetrieb geführt, inzwischen allerdings auf die Haltung von Mutterkühen umgestellt. Er ärgert sich darüber, dass seine Berufsgruppe „für viele die Buhmänner darstellt“. Politik, Wirtschaft und Verbraucher hätten jahrzehntelang die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft gesetzt und eine effiziente Betriebsführung verlangt, mit allen positiven und negativen Folgen. Auch hierüber wollten die Bauern mit den Leuten ins Gespräch kommen, wenn am 17. Januar in Bremen demonstriert wird.
In der Umweltbehörde ist man auf den angekündigten Termin vorbereitet. Sprecher Jens Tittmann bestätigte auf Anfrage, dass die Senatorin an der Veranstaltung teilnehmen wird. Schaefer hatte sich bereits im November vergangenen Jahres als Vertreterin der Umweltminister der Länder in Hamburg einer Bauern-Demo gestellt. Dabei räumte sie ein, dass es die Landwirte zunehmend schwer hätten, ihre Höfe gewinnbringend zu betreiben. Auch in Bremen, wo es am Stadtrand zurzeit noch rund 150 landwirtschaftliche Betriebe gibt, sei ein Höfesterben zu beobachten. Für das kleinste Bundesland stellte sie dabei eine Weideprämie in Aussicht. Dieses finanzielle Instrument soll für Bauern einen Anreiz schaffen, Tiere nicht ausschließlich im Stall zu halten.
Als eines der größten Streitthemen bundesweit gilt die Nitratbelastung landwirtschaftlich genutzter Böden, auf denen regelmäßig Gülle versickert. Aus Geerkens Sicht hat sich die Politik bei diesem Thema allerdings zu sehr auf die Landwirte eingeschossen. Andere Quellen für Nitrateinträge würden außer Acht gelassen. Aus Schaefers Sicht „bringt es nichts, gegenseitig mit dem Finger aufeinander zu zeigen“. Sie habe sich bereits mit dem Bremer Landwirtschaftsverband zusammengesetzt, um Themen wie Nitratbelastung und Tierwohlfragen in sachlicher Atmosphäre zu erörtern.

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